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aktualisiert am
 02.02.2012

Rundbrief aktuell

            Rundbrief Nr.35   vom 01.02.2012

             

            Liebe Tempelgeschwister, liebe Freunde,

            ein Vortrag von Fritz Ammon aus dem Jahre 1946. Hat auch heute Gültigkeit.

            Herzliche Grüsse

            Manfred

             

                • Das Rad des Leidens
          •    Predigt zur Tempel-Tagung 1949 von Fritz Ammon
          •    I.

             In der Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin) vom 21. 3. 1959 begann eine Artikelserie: „Die 14 Jahre danach – Bilanz des deutschen Schicksals (!)“. In dem ersten Kapitel „Der Mann aus der Baracke“ wird das ganze Drama des großen Völkerschicksals aufgezeigt, und es werden die Fragen aufgeworfen: „Wer bin ich, wozu lebe ich, und welchen Sinn hat mein Dasein?“ Die Fragen werden aber nicht beantwortet. Ferner werden die Fragen nach der Schuld und dem Sinn des Geschehens gestellt und wie folgt beantwortet: „Entweder das Geschehen ist selbständig und autonom und damit dem Menschen fremd, oder: der andere Mensch ist schuldig daran.“ Das heißt also mit anderen Worten: Wenn mir Leid widerfährt, bin ich nicht selbst schuld daran, ich habe es nicht verursacht, sondern irgend etwas außer mir hat Schuld, sei es ein mir unerklärliches Geschehen, über das ich keine Gewalt habe, das ich nicht verhüten konnte, das ich nicht ändern kann, dem ich nicht entfliehen kann, oder ein anderer Mensch ist daran schuld.

             Wo es Leid gibt, hat die Frage: Wer ist schuld? den Menschen von jeher bewegt. Abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen, wurde sie und wird sie auch heute noch meist dahingehend beantwortet, dass der andere Mensch schuld ist oder ein blindwütiges Schicksal, der sogenannte Zufall. Der leidende Mensch fühlt sich fast immer schuldlos.

             So lange es Menschen gibt, mussten sie leiden. Und Leid erscheint ihr weiteres Schicksal zu sein, vor dem es kein Entrinnen gibt.

             In Betrachtung der allgemeinen weltpolitischen Lage ist die Menschheit von Gefahren unvorstellbaren Leidens bedroht. Die Menschheit ist in zwei Lager gespalten. Auf beiden Seiten werden einerseits astronomische Summen ausgegeben, um die Menschheit auf dieser Erde ggf. auszulöschen, und andererseits ist eine solche Not in der Welt, dass etwa ein Drittel der Menschen nicht einmal satt zu essen hat, ganz zu schweigen von dem niedrigen, primitiven Lebensstandard vieler Millionen. Gott hat die Erde mit so viel Reichtum lebensnotwendiger Güter ausgestattet, dass wir bei brüderlichem Verhalten paradiesisch leben könnten. Aber der Mensch vergeudet einen sehr großen Teil der Gottesgaben, um die Welt in eine Hölle zu verwandeln. Was bleibt Gott da anderes übrig, als uns so lange leiden zu lassen, bis wir endlich unsere Augen erheben und den Pfad der Erlösung suchen? Die Erlösung ist da, wir brauchen nur zuzugreifen. Wenn wir aber das Rezept nicht annehmen und die verordnete Medizin nicht richtig verwenden, müssen wir weiter leiden. Zu dem Grundrezept gehört auch die Lösung der Schuldfrage. An das Rad des Leidens bleiben wir so lange gefesselt, bis wir die Schuldfrage mit allen Konsequenzen richtig gelöst haben. Wir fragen daher: „Was ist das für eine Lösung?“ Und wenn wir sie gefunden haben: „Würde es uns dadurch möglich sein, kommende Großkatastrophen zu verhindern? Können wir als Volk und als einzelner Mensch dem Leiden entrinnen?“

              Ja, wir können es! Wodurch?

            Durch klare Erkenntnis der Ursachen des Leidens!

            • Durch das Wissen, wie man die Ursachen beseitigt!
            • Durch die Tat!
                    • II.
          • Was für den einzelnen Menschen gilt, ist auch gültig für ein Volk, eine Rasse und für die ganze Menschheit; denn das Ganze ist nur die Summe aller Einzelteile. Wir können uns daher darauf beschränken, den einzelnen Menschen zum Gegenstand unserer Betrachtung zu machen.
          •  In der Regel sieht der Mensch die Ursache für sein Leiden im äußeren Umweltgeschehen bzw. bei anderen Menschen. Er ist der Meinung, dass er an dem äußeren Geschehen nicht mitschuldig ist und es auch nicht beeinflussen kann. Er kennt weder das kosmische Gesetz der ausgleichenden göttlichen Gerechtigkeit noch das der Wiederverkörperung. In der Beurteilung der Schuldursachen beschränkt er sich auf das, was für ihn erkennbar äußerlich in Erscheinung tritt. Ausgehend von dieser - in engen Grenzen gehaltenen - exoterischen Betrachtungsweise hat er recht, wenn er sich schuldlos fühlt an seinem Leiden und dem des Volkes, dem er angehört.

             Bei einer solchen Betrachtungsweise können wir niemals vom Rade des Leidens erlöst werden. Vielmehr ist das nur auf folgendem Wege möglich:

               III.

             Vor Erschaffung der Welt war außer der allgegenwärtigen, in sich selbst ruhenden Gottheit nichts offenbar. Gott schuf die Welt in sich, ohne seine Allgegenwart aufzugeben. In IHM ruht daher auch die letzte ursachenlose Ursache aller Ursachen. Die von uns erkennbare Welt ist ein Ausdruck seines Form gewordenen Willens. Alles Äußere ist eine vorübergehende Erscheinungsform des Geistes Gottes. Es ist wie der Wellenschlag des Ozeans. Wie aber der Wellenschlag nicht das Wesentliche ist, so sind auch alle Erscheinungsformen nicht das Wesentliche. Wesentlich ist der die Form belebende Geist. Er ist die Ursache von dem, was sich für uns erkennbar offenbart. Diese Ursache ist aber auch nur die Wirkung einer voraufgehenden Ursache. Und so geht das weiter bis zur letzten in Gott ruhenden Ursache. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet können wir die Schuldfrage nur vom metaphysischen Standpunkt aus richtig lösen. Die Lösung gelingt uns nur, wenn wir die wesentlichen Grundzüge des Entwicklungsgesetzes kennen und die kosmischen Gesetze der Widerverkörperung und der ausgleichenden göttlichen Gerechtigkeit als Tatsache unterstellen.

             Wenn wir bei einem kranken Menschen die äußeren Krankheitserscheinungen als das Wesentliche betrachten und uns damit begnügen, die beseitigen zu wollen, dann ist unser Bemühen stümperhaft. Erkennen wir aber die Ursache der äußeren Erscheinungen und beseitigen jene, dann schwinden diese von selbst. In der Schuldfrage ist es nicht anders. Es ist töricht, die Ursachen des Leidens in den äußeren Erscheinungen der Umwelt zu suchen. Wir müssen uns vielmehr bemühen, die Wurzel zu erkennen und herauszureissen. Dabei helfen uns die Tempellehren, denn sie dringen immer zum Kern der Sache vor. Sie klären uns über die metaphysischen Ursachen des Geschehens auf. So werden wir auch darüber belehrt, wie die Ursachen unseres Leidens zu finden sind. Meister Hilarion sagt in einer Tempellehre

             „Hört alle, die ihr Leid tragt, wisset, ihr selbst seid die Urheber eurer Leiden. Weiset die falsche Voraussetzung ab, dass andere an euren Leiden schuld seien.“

            Und in dem Buch „Aus Lichter Höhe“ lesen wir:

               Das Rad des Leidens

            „So lange erlittenes Unrecht imstande ist, dich zu erbittern, und so lange du anderen Unrecht tust, so lange wird die unbesiegbare Macht der Liebe dich an das Rad des Leidens fesseln.

            • Die arme, ringende Menschheit braucht lange, lange Zeiten, um zu lernen, dass die göttliche Gerechtigkeit niemals ein Unrecht zulassen wird, das nicht die Sühne für ein ähnliches Vergehen und zu gleicher Zeit die umfassende Gelegenheit ist, eine Schuld zu tilgen.
            • Je stärker und je besser der Schüler für den Dienst gerüstet ist, desto größer werden die Prüfungen seiner Geduld, seiner Ausdauer und seines Mitempfindens sein. Dieselben Eigenschaften, die ihn für die Arbeit des Tempels und deshalb für die Welt wertvoll und nützlich machen, müssen ihm zugleich lange, lange Zeiten von Herzenshunger, von Anfechtung und geistiger Anstrengung bringen. Doch endlich kann er, wie alle, die auf gleichem Pfade mit ihm wandern, seine Bürde in den Schoß der Großen Mutter legen und von ganzem Herzen sprechen: „Es ist nichts daran gelegen, was mein Bruder, meine Schwester mir antun mögen; mache mich nur reicher an Liebe zu ihnen, dann bin ich zufrieden.“
          •    IV.
          •  Demnach gibt es weder ein Geschehen, das selbständig und autonom ist, noch eine Schuld des anderen Menschen. vielmehr werden wir ganz unmissverständlich dahingehend belehrt, dass die Wurzel aller unserer Leiden nur in uns selbst liegt.

             Wenn uns die Tempellehren sagen, dass wir selber die Urheber unserer Leiden sind, dann folgt daraus, dass es hinsichtlich dieser überhaupt keine Ungerechtigkeit gibt. Da aber jeder Mensch häufig an etwas leidet, was als ungerecht angesehen und empfunden wird, und der Lebensweg eines jeden Menschen scheinbar mit Ungerechtigkeiten förmlich gepflastert ist, drängt sich die Frage auf: „Wie kann man denn erklären, dass es keine Ungerechtigkeit gibt?“

             Den Schlüssel zur Lösung finden wir in der vorgetragenen Belehrung „Das Rad des Leidens“, wenn wir den Kreislauf der Wiederverkörperungen der Seele dabei in Betracht ziehen. In der Belehrung wird von göttlicher Gerechtigkeit und von Unrecht gesprochen, aber nicht von Ungerechtigkeit. Wenn wir nun wissen wollen, warum das so ist, brauchen wir nur die Frage zu klären: Was ist eine Ungerechtigkeit, und was ist Unrecht?

             

               V.

             Eine Ungerechtigkeit ist ein Geschehen, das jemandem widerfährt, ohne es verdient, verschuldet, verursacht zu haben. Der allmächtige, allweise, allgegenwärtige Gott kann aber um seiner Gerechtigkeit willen keine Ungerechtigkeit zulassen. Deshalb

            wird hier nicht von Ungerechtigkeit gesprochen, wohl aber von Unrecht. – Ein Unrecht ist, juristisch ausgedrückt, eine schuldhafte, rechtswidrige Handlung, also etwas, was gegen die gültige Rechtsordnung verstößt. Auch Gott hat eine Rechtsordnung. Die

            Rechtsordnung Gottes finden wir in allen heiligen Schriften der großen Religionen und in den Tempellehren (die Religion der Zukunft), und zwar aufgeteilt in viele einzelne Paragraphen, die wieder und wieder erläutert werden. Vom metaphysischen, religiösen Standpunkt aus ist alles Denken, Reden und Handeln, das gegen die göttliche Rechtsordnung verstößt, unrecht.

             Der Mensch hat die Freiheit, Recht oder Unrecht zu tun, d. h. gut oder böse zu denken, zu reden, zu handeln. Von dieser Freiheit hat die Menschheit seit jeher einen sehr schlechten Gebrauch gemacht und mehr Unrecht als Recht getan. Die Welt ist so erschreckend mit Unrecht Tun der Menschen erfüllt, dass der Menschheit der Untergang droht, wenn sie nicht umkehrt und die Bitten und Ermahnungen der Initiierten, wie sie vor allem in den Tempellehren zum Ausdruck kommen, nicht beachtet. Die Zeit, die der Menschheit noch verbleibt, die Lehre anzunehmen, die ihre Rettung zur Folge haben würde, ist verhältnismäßig kurz. Es ist nur ein Jahrhundert, das im Jahre 1898 begann. In der Tempellehre „Der Fluch den Mammons“ ist hierzu gesagt:

            „Das angehäufte Übel des Zeitalters hat den Höhepunkt seiner Kraft erreicht, und eine Neuordnung muss folgen. Ein kurzer Gnadentag ist uns noch verliehen, ein einziges Jahrhundert; denn wenn die Völker der Erde am Ende dieses Jahrhunderts nicht genügend wach geworden sind, um den Krebs in der Knospe ihrer großen (sogenannten) Zivilisation zu erkennen und ihn zu vernichten, dann kann sie nichts vor dem Verfall und Untergang retten.“

          • Daraus können wir den Ernst der Lage erkennen. Jeder, der die Sachlage kennt, sollte alle ihm nur möglichen Anstrengungen machen, um zur Rettung der Menschheit beizutragen. Diese Anstrengungen beginnen immer bei dem eigenen Ich, d. h. ich selbst muss mich charakterlich zuerst so ändern, wie sich die Menschheit ändern muss, damit sie gerettet werden kann; denn die Änderung einer Masse ist davon abhängig, dass sich ihre kleinsten Einzelteile ändern. Dazu gehört auch die richtige Lösung der Schuldfrage in dem hier behandelten Sinne. Wir müssen aufhören, weiterhin Unrecht zu tun. Dadurch verstärken wir die Kraftströme der Harmonie und vergrößern die Möglichkeit, das gestörte Gleichgewicht der Erde wieder herzustellen. Wenn die Disharmonie in der Welt im Übergewicht bleibt, ist die Rettung nicht möglich.
          •  Die von den Menschen fortwährend verursachte Disharmonie kann im Weltall nicht geduldet werden. Daher sorgt die ausgleichende göttliche Gerechtigkeit unablässig dafür, dass die gestörte Harmonie wieder hergestellt wird. Gott tut das in vollkommener Weisheit. Er lenkt die durch das Unrecht Tun geschaffenen Kraftströme wie einen Bumerang auf den Täter zurück. Darum heißt es in der Belehrung „Das Rad des Leidens“:

             „..... Die göttliche Gerechtigkeit wird niemals ein Unrecht zulassen, das nicht die Sühne für ein ähnliches Vergehen und zu gleicher Zeit die umfassende Gelegenheit ist, eine Schuld zu tilgen.“

             Unrecht lässt Gott also zu, jedoch wird es immer nur den treffen, der in diesem oder in einem früheren Leben ein ähnliches Unrecht begangen hat. Wenn ich daher unter einem Unrecht leide, so ist das mithin keine Ungerechtigkeit, denn ich empfange ja nur die Frucht des von mir früher ausgestreuten Samens. Deshalb heißt es in den

               Tempelaphorismen: „Du kannst die Stunde der Aussaat bestimmen, die Stunde der Ernte bestimmt notgedrungen Gott.“

             Der Mensch, der nicht weiß, dass es keine Ungerechtigkeit gibt und dass das Unrecht, unter dem er leidet, von ihm selber verursacht worden ist, reagiert auf ein ihm widerfahrendes Unrecht fast immer so, dass er für sich wiederum neues Leid verursacht, indem er wiederum Unrecht tut. So lange wir damit nicht aufhören, bleiben wir an das Rad des Leidens gefesselt. Eines der einleuchtendsten und schönsten Beispiele für die Wirkung, die erzielt wird, wenn ein Mensch die Kraft hat, auf Unrecht mit der Liebe des Christus zu antworten, ist der Mönch, der ausging, um für seine Armen Almosen zu sammeln. Der Mönch liebte es, in die Gesellschaftsräume vornehmer Hotels zu gehen. Schweigend ging er von Tisch zu Tisch und hielt seine Sammelbüchse hin. Hierbei kam er einmal an einen Tisch von Kartenspielern. Einer der Herren war über die Störung und die Art der Bettelei so empört, dass er dem Mönch eine schallende Ohrfeige gab. Darauf sagte der Mönch ganz ruhig und gelassen: „Das war für mich, nun geben Sie mir bitte auch etwas für meine Armen.“ Der schlagkräftige Herr war darüber so verblüfft und ergriffen, dass er seinen Hut nahm und in dem ganzen Saal darin sammelte und den Erlös mit einem ansehnlichen Betrag aus seiner eigenen Börse dem Mönch überreichte. Es gibt sehr viele Beispiele dafür, wie die Kraft der aus unserem Herzen strahlenden Christusliebe üble Wirkungen eines Unrechts nicht nur verhindern kann, sondern darüber hinaus starke Kräfte der Harmonie auszulösen vermag.

             

               VII.

             Wer vom Rad des Leidens erlöst werden möchte – und wer möchte das wohl nicht -, dem bleibt keine andere Wahl, als die jeweils umfassende Gelegenheit der Schuldtilgung richtig zu nützen und außerdem darauf bedacht zu sein, künftig kein Unrecht mehr zu tun. Das gilt sowohl für den einzelnen Menschen wie für ein Volk, eine Rasse und die ganze Menschheit. Wir müssen auch erkennen und anerkennen, dass das furchtbare, leidvolle Schicksal, das einem Volke widerfährt, von ihm selbst verursacht worden ist. Ein anderes Volk, welches das Leid auslöst, ist nur der Vollstrecker der ausgleichenden göttlichen Gerechtigkeit. Insoweit dieses andere Volk dabei nun wiederum seinerseits Unrecht tut, verursacht es damit wieder eigenes Leid für sich. Auch als Volk kommen wir vom Rade des Leidens nicht los, wenn wir die Verursachung woanders suchen als bei uns selbst und wenn wir uns nicht bemühen, Unrecht zu vermeiden.

             Man sollte sich beispielsweise einmal überlegen, wie völlig anders und wie erfolgreich sich die Verhandlungen der Diplomaten und Staatsmänner gestalten würden, wenn sie diese göttlichen Grundprinzipien kennen und anerkennen würden. Wie schnell wären die Streitpunkte und alle Kriegsgefahren ausgeräumt. – Es lohnt sich wahrhaftig, mit aller Inbrunst und Leidenschaft die Schuldfrage im Sinne der göttlichen Belehrung mit allen Konsequenzen zu lösen; denn von jedem von uns hängt es ab, ob die Menschheit gerettet werden kann oder nicht. – Ein kleines Ferment kann eine große Masse chemisch vollständig verändern. Ein Milligramm Gift kann in kurzer Zeit einen Menschen töten. Ein Tropfen Medizin kann einen Menschen von einer Krankheit heilen. Analog in diesem Sinne strahlt von jedem Menschen, der die Schuldfrage richtig gelöst

            hat und dementsprechend denkt, redet und handelt, eine Leid lösende Kraft aus. Jeder von uns kann der gerade noch fehlende Tropfen Medizin sein, damit sich die Waagschale nach der Rettungsseite neigt.

             

               VIII.

             Wer als Folge der Lösung der Schuldfrage nur noch in Harmonie mit Gott denkt, redet und handelt und an Stelle der Gefühls der Ungerechtigkeit und des Unrechts in dem Bewusstsein der göttlichen Gerechtigkeit lebt, ist ein Pionier für das Zeitalter, von dem in einer Tempellehre folgendes gesagt ist:

            „Das Gefühl der Ungerechtigkeit und des Unrechts, gegen deren Herrschaft die Völker der Erde in den verflossenen Zeitaltern so vergeblich angekämpft haben, wird der Gewissheit weichen, dass göttliche Gerechtigkeit herrscht. Heftiger Schmerz und tiefes Bedauern über vergangene Verunglimpfung und früheren Unglauben werden verhärtete Herzen erweichen. Zungen, die ehedem geflucht haben, werden beginnen, das Leben zu segnen. Lippen die niemals Fröhlichkeit oder Gesang kannten, werden von zärtlichem Lächeln umspielt werden und fröhliche Lieder ertönen lassen. Überall wird man die Worte vernehmen: „Kommt, lasst uns miteinander beraten“, an Stelle der Worte: „Kommt, lasst uns um des Besitzes willen kämpfen.“

          • Zum Pionier für dieses wundervolle Zeitalter, in dem das Rad des Leidens zum Stillstand kommt, können wir nur dann heranreifen, wenn wir das Gesetz der wahren Bruderschaft nicht mehr verletzen. Wahre Bruderschaft ist ein universales Gesetz. Wer es verletzt, muss die karmische Auswirkung über sich ergehen lassen. In der Tempellehre „Die wahre Bruderschaft“ ist gesagt, dass der Verletzung dieses Gesetzes alles Übel zuzuschreiben ist, das die Menschheit je heimsuchte. Dieses Gesetz ist in den Worten enthalten: „Füge keinem anderen zu, was dir selbst nicht erwünscht ist.“
          • Wenn wir das beachten, wenn wir in keiner Hinsicht mehr Unrecht tun, und wenn wir uns widerfahrendes Unrecht als selbst verursachten Ausgleich der göttlichen Gerechtigkeit ansehen, dann ist es nicht schwer, aus innerstem, friedvollen Herzen zu sprechen:

            „Es ist nichts daran gelegen, was mein Bruder, meine Schwester mir antun mögen; mache mich nur reicher an Liebe zu ihnen, dann bin ich zufrieden.“

          • Und damit schaffen wir dann die einzig mögliche Voraussetzung zur Erlösung vom „Rade des Leidens“.
          •  Möge unsere Sehnsucht danach zu Throne Gottes aufsteigend unser Herz öffnen, damit uns die Kraft des Christus zum vollbringen erfülle zum Heil und Segen der ganzen Menschheit.

                 Amen